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Seeforelle aus dem Genfersee in Visp gesichtet?

Ich konnte es nicht glauben. Bei der 2024 fertiggestellten Fischaufstiegsrampe in der Vispa bei Visp soll am 27. Oktober 2025 eine Seeforelle gesichtet worden sein! Anfangs vermutete ich hinter der Geschichte nur Fischerlatein, aber irgendwie liess sie mich nicht mehr los. Wie um Himmels Willen soll eine Seeforelle den mehr als 100 km langen Weg vom Genfersee bis nach Visp schaffen, wenn ihre Laichwanderung noch immer durch zwei nicht fischgängige Wehre bei Lavey und Susten verunmöglicht wird? Ich fing an, in meinem Bekanntenkreis und im Internet zu recherchieren. Bald fand ich einen Bekannten, der mir das Video der Seeforelle zustellen konnte. Obwohl der Fisch auf der Sequenz nur kurz zu sehen ist, vermutete ich, dass es sich eindeutig um eine Seeforelle (salmo trutta) und nicht um eine Bachforelle (salmo trutta fario) handelte. Bach- und Seeforellen können genetisch zwar nicht unterschieden werden, haben aufgrund ihres angestammten Lebensraums aber klar unterschiedliche Merkmale. Bei der ausgewachsenen Seeforelle fehlen die roten Flecken, die Flanken sind silbrig und der Rücken blaugrau bis grünlich. Die Seeforelle hat zahlreiche unregelmässige, oft x-förmige schwarze Flecken und bei adulten Tieren ist der Abschluss der Schwanzflosse gerade. Auch profunde Kenner der Seeforelle sollen bestätigt haben, dass es sich eindeutig um eine Seeforelle handelt.


Seeforelle aus dem Avançon bei Vouvry    (Foto: Stefan Wenger)
Seeforelle aus dem Avançon bei Vouvry (Foto: Stefan Wenger)
Bachforelle aus dem Avançon bei Vouvry (Foto: Stefan Wenger)
Bachforelle aus dem Avançon bei Vouvry (Foto: Stefan Wenger)

Aber wie konnte die Seeforelle die beiden Wehre überwinden? Auch dazu fand ich eine plausible Erklärung. Das Wehr von Lavey war gemäss kantonalem Amtsblatt wegen Unterhaltsarbeiten vom 3. Oktober bis zum 1. Dezember 2025 ganz oder teilweise offen und das Wehr von Susten wurde nach dem Unwetter vom Juni 2024 geöffnet und seither nicht mehr geschlossen. Doch reicht die kurze Zeit vom 3. Oktober bis zum 27. Oktober für eine Seeforelle, um den 100 km langen Weg zu schaffen?

Die Schwimmgeschwindigkeit von Salmoniden hängt im Wesentlichen von ihrer Körperlänge und der Wassertemperatur ab. Die Schwimmgeschwindigkeit einer 60 cm langen Seeforelle beträgt bei 10°C in ruhigem Wasser etwa 4 m/s (14.4 km/h). Es scheint also plausibel, dass das kurze Zeitfenster der offenen Wehre für die Seeforelle ausreichend war, um den langen Weg selbst bei Gegenströmung zu schaffen.


Aus meiner kurzen Recherche bin ich mir heute sicher, dass die gesichtete Forelle eine Seeforelle aus dem Genfersee ist. Und sie bestätigt mir, wie ich schon so oft behauptet habe, dass es sich wirklich lohnen würde, die Rhone auf ihrer gesamten Länge wieder fischgängig zu machen. Und nun bleibt mir zu hoffen, dass die «Visper-Seeforelle» ihren Weg zurück in den Genfersee finden wird. Durch Zufall wie beim Aufstieg, oder durch die gesetzeskonforme Umsetzung der Fischgängigkeit bis 2030!

 
 
 

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