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Schweizer Fisch des Jahres 2026 - Elritze

Quelle: iStock Elritze (phoxinus phoxinus)
Quelle: iStock Elritze (phoxinus phoxinus)

Die Elritze, ein kleiner Fisch, kommt beim Schweizerischen Fischerei-Verband ganz gross raus. 2026 ist der Winzling vom SFV zum Fisch des Jahres erkoren worden. Wohl auch deshalb, weil die Elritze ein sehr passendes Beispiel ist, um einerseits die grosse Artenvielfalt der Schweizer Fische und andererseits deren grosse Bedrohung aufzuzeigen. Auf kleinstem Raum leben in der Schweiz nämlich mehr als 100 Fischarten, von denen aber rund drei Viertel bereits ausgestorben oder bedroht sind.


Quelle: YouTube Österreichische Bundesforste

Noch vor wenigen Jahren glaubte man, dass über das nördliche Europa bis nach Sibirien nur eine Elritzenart (phoxinus phoxinus) vorkommt. Neueste genetische Untersuchungen haben aber gezeigt, dass in der Schweiz 4 verschiedene Arten leben. Es sind dies die Donau-Elritze (phoxinus csikii), die Italienische Elritze (phoxinus lumaireul), die Französische Elritze (Phoxinus septimaniae) und die erst kürzlich entdeckte See-Elritze (Phoxinus sp. nov.). Erstaunlich dabei ist auch, dass die Art phoxinus phoxinus, die sonst weit verbreitet ist, in der Schweiz gar nicht vorkommt.


Die Elritze ist in den meisten Schweizer Fliessgewässern längst verschwunden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wanderhindernisse, fehlende Gewässerstrukturen, negative Einflüsse der Wasserkraft, Mikroverunreinigungen und Klimaerwärmung setzen den kälteliebenden kleinen Fischen stark zu. Ihre Präsenz ist ein guter Indikator für gesunde, sauerstoffreiche und kalte Gewässer. Wohl deshalb trifft man die Elritze in Bergseen immer noch häufig an.


Mich haben die «Lavilljini», wie wir Oberwalliser die Elritzen im Dialekt nennen, schon als kleiner Junge fasziniert. Immer wenn ich am Bergsee war, habe ich Flaschen mit Brot gefüllt, sie am Ufer ins seichte Wasser gelegt und gehofft, dass ich so ein paar Elritzen fangen und beobachten kann. Damals wusste ich noch nicht, warum die kleinen Fische zuerst als Schwarm um meine Füsse schwammen und dann urplötzlich verschwanden. Heute weiss ich, dass eine verletzte Elritze auf ihrer Haut einen Schreckstoff freisetzt, der ihre Schwarmgenossen warnt und in panische Flucht treibt.


Als junger Fischer benutzte ich tote Elritzen als verlässlichen Köder, um am Bergsee Forellen und Cristivomer zu fangen.


Und immer noch staune ich, dass die kleinen, etwa 6 Zentimeter langen Elritzen zur gleichen Ordnung (Cypriniformes) gehören, wie ihre Verwandten, die mehrere Kilogramm schweren Karpfen.

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