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Fliegenbinde‑Videos selbst gemacht

Fischer, die im Netz nach Bastelanleitungen suchen, finden heute alles: vom Wobbler aus Balsaholz über gegossene Gummifische bis hin zu Bambusruten und unzähligen Fliegenmustern. Entsprechend hoffnungsvoll googelte ich vor einiger Zeit den Suchbegriff «DIY fly tying video» – und scheiterte kläglich. Da ich aber unbedingt professionell wirkende Fliegenbinde‑Videos produzieren wollte, blieb mir – wie so oft – nur der Weg des Autodidakten.

Nach langer Suche fand ich eine günstige, kompakte Kamera, die ich platzsparend auf meinem Bindetisch aufstellen konnte und die dort immer aufnahmebereit steht. Ihre Bildqualität ist deutlich besser als die meines Smartphones. Mit dem Makroobjektiv kann ich aus rund 40 cm Entfernung nah an die Fliege heranzoomen, und dank der fest einstellbaren Brennweite bleibt das Bild zuverlässig scharf. Über den USB‑Anschluss lässt sich die Kamera direkt mit meinem Laptop verbinden, sodass ich den Bindevorgang mit der Kamera‑App live verfolgen und aufzeichnen kann.



Mein Bindetisch: Kamera und Laptop sind stets einsatzbereit.
Mein Bindetisch: Kamera und Laptop sind stets einsatzbereit.

Das Kamerastativ hatte ich anfänglich aus Aluminiumprofilen zusammengebastelt – wobei ich inzwischen weiss, dass ein handelsübliches Kleinstativ die einfachere Lösung gewesen wäre. Ist das Video erst einmal aufgenommen, beginnt die eigentliche Arbeit: das Schneiden. Glaubt mir, auch bekannte Fliegenbinder kommen nicht ohne Schnitte aus. Und wer möchte schon ein fehlerbehaftetes 15‑Minuten‑Video sehen, wenn man denselben Inhalt in drei Minuten sauber präsentieren kann?

Auch nach einer brauchbaren und günstigen Videosoftware musste ich lange suchen. Die Software, die ich heute nach einigen Fehlversuchen nutze, kann im Grunde alles: Videos schneiden und kombinieren, Audiodateien einfügen, Logos und Texte integrieren, Untertitel aus Sprache generieren oder Sprache aus Texten erzeugen. Wird gesprochen, senkt die Software automatisch die Lautstärke der Hintergrundmusik ab. Viele Musik-Audiodateien sind integriert und teilweise kostenlos verfügbar. Und das ist nur ein kleiner Teil der Funktionen. Da die Software weit verbreitet ist, findet man online zu praktisch jeder kniffligen Aufgabe eine passende Anleitung.


Videobearbeitungssoftware von Filmora: sieht komplex aus, ist aber relativ einfach in der Bedienung.
Videobearbeitungssoftware von Filmora: sieht komplex aus, ist aber relativ einfach in der Bedienung.

Meine fertigen Fliegenbinde‑Videos lade ich auf meinen YouTube-Kanal hoch, um sie einfach teilen und auf meiner Website einbetten zu können.

Im Folgenden findest du den Ablauf, wie ich eines meiner jüngsten Fliegenbinde‑Videos erstellt habe. Die Möglichkeiten der Software lassen sich hier nur ansatzweise beschreiben:


Eines meiner jüngsten Fliegenbinde-Videos: Ein Forellen-Streamer für tiefe Pools.
Eines meiner jüngsten Fliegenbinde-Videos: Ein Forellen-Streamer für tiefe Pools.

 

  1. Kamera am USB-Port des Laptops oder PC anschliessen.

  2. Kamera APP (Microsoft Windows) starten.

  3. Ein kleingedrucktes Schriftstück (z.B. Briefmarke) in den Bindestock spannen.

  4. An der Kamera manuell den gewünschten Zoom (Bildausschnitt) festlegen. Das Bild siehst du auf der Kamera APP.

  5. An der Kamera manuell die Brennweite einstellen, bis das Schriftstück sehr scharf erkennbar ist.

  6. Wenn kein Tageslicht vorhanden, Belichtung künstlich mit Lampen optimieren. Achtung, die Beleuchtung ändert sich, wenn du dich vor den Bindestock sitzt und hängt von der Farbe deiner Bekleidung ab. Gute Erfahrung habe ich mit einem weissen T-Shirt gemacht.

  7. Video-Aufnahme auf Kamera APP starten.

  8. Fliegen binden. Keine Angst bei Fehlern. Fehlerhafte Sequenzen oder Wartezeiten kannst du später mit der Videosoftware herausschneiden. Die Fliege nach der Fertigstellung eingespannt lassen.

  9. Kamera APP: Videoaufnahme stoppen.

  10. Kamera APP: In den Foto-Modus wechseln. Foto von der fertiggestellten Fliege machen. Brauche ich in meinen Videos als Standbild und auf YouTube für die Thumbnail-Vorschau.

  11. Videobearbeitungssoftware starten.

  12. Medien (Fliegenbinde-Video, Standbild, eventuell auch Logo und Audiodatei) mit Video-Software importieren. Achtung bei Audio-Dateien: YouTube kontrolliert, ob sie kein Copyright verletzen. Darum am besten Audio-Dateien aus der Audio-Mediathek von YouTube nehmen (Nicht alle sehr schön, aber Musik ist ja Geschmacksache).

  13. Fliegenbinde-Video, Audiodatei, Standbild, Logo, etc. auf die Spuren legen.

  14. Video schneiden. Überflüssige Szenen entfernen.

  15. Untertitel schreiben, an entsprechender Stelle einfügen.

  16. Sprache aus Untertiteln generieren (erfolgt automatisch). Der Clou: Du kannst deine eigene Stimme klonen und sie als Stimme verwenden (habe ich im Fliegenbinde-Video so gemacht).

  17. Video exportieren (als MP4-Datei in hoher Qualität)

  18. Video auf eigenen YouTube-Kanal hochladen. Als Thumbnail für die Videovorschau das erstellte Standbild verwenden.


Wie du auf meinen Videos siehst, lassen sich mit meiner Einrichtung ziemlich einfach gute Videos drehen. Um ein Fliegenbinde-Video zu produzieren, brauche ich etwa 2 Stunden. Ein besserer Fliegenbinder bin ich zwar nicht geworden, die Arbeit als Regisseur, Filmer und Cutter am Bindetisch macht aber sehr viel Spass.


Materialliste

Kamera: ELP 4K USB mit Zoomobjektiv 5-50mm (ca. CHF 200)

Stativ: Kaiser Fototechnik DSLR Tischstativ (ca. CHF 35)

Aufnahmesoftware: Kamera APP Windows (gratis in Windows integriert)

Videobearbeitungssoftware: Wondershare Filmora (Version 16, ca. CHF 60 / Jahr)

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